• 7. Oktober 2026 12:30 - 13:00
Wie sich Gesellschaften schleichend radikalisieren: Ein Gespräch

Das Buch »Deutscher und Jude« des amerikanischen Soziologen John K. Dickinson erzählt die Geschichte des Marburger Anwalts Hermann Reis – von seiner Geburt 1896 bis zu seiner Ermordung in Auschwitz 1944.

Aufgewachsen als Sohn eines jüdischen Viehhändlers im hessischen Hinterland und später tätig als Anwalt im nahe gelegenen Marburg folgen wir Reis auf seinem Weg von einer als harmonisch erlebten Jugend durch eine sich stetig radikalisierende Gesellschaft. Jede neue Maßnahme zur Diskriminierung und Schikanierung der jüdischen Bevölkerung macht Dickinson in ihren komplexen zwischenmenschlichen Auswirkungen greifbar. Wie war die Situation auf dem Land, in der Stadt? Wie lebte man zusammen und wie stabil oder fragil war dieses Zusammenleben? Welche Institutionen, Rituale und unausgesprochenen Regeln prägten es? Damit ist ihm ein bis heute gültiger Tiefenblick in die Geschichte gelungen, der in dem gesellschaftlichen Umbau, den er schildert, zeitgenössischer nicht sein könnte.

Im Gespräch mit Rechtsextremismus-Expertin Tina Dürr spricht der Übersetzer und Ethnologe Stephan Nolte über Ursachen und Gefahren schleichender gesellschaftlicher Radikalisierung und zeigt frappierende Parallelen zu aktuellen gesellschaftlichen Maßnahmen und Debatten auf.

Die Veranstaltung findet auf der Bühne des Gemeinschaftsstands »Literatur in Hessen« statt. Halle 3.0 D87.