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Startseite > Bücher > Politik/Gesellschaft > Deutscher und Jude
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John K. Dickinson, Stephan H. Nolte (Übersetzung), Raul Hilberg (Vorwort)

Deutscher und Jude

Das Leben und Sterben des Hermann Reis

384 Seiten, 15,0 × 22,0 cm, kartoniert
ISBN 978-3-96317-460-5 (Print)
30,00 € (Print)
ISBN 978-3-7552-1042-9 (ePDF)
23,99 € (ePDF)
ISBN 978-3-7552-1043-6 (ePUB)
23,99 € (ePDF)
@ Büchner-Verlag, Marburg, Erscheinungstermin: 21. Oktober 20214

Deutscher und Jude des amerikanischen Soziologen John K. Dickinson erzählt die Geschichte des Marburger Anwalts Hermann Reis – von der Wiege 1896 bis zu seiner Ermordung in Auschwitz 1944. Aufgewachsen als Sohn eines jüdischen Viehhändlers im hessischen Hinterland und später tätig als Anwalt im nahe gelegenen Marburg folgen wir Reis auf seinem Weg von einer als harmonisch erlebten Jugend durch eine sich stetig radikalisierende Gesellschaft. Jede neue Maßnahme zur Diskriminierung und Schikanierung der jüdischen Bevölkerung macht Dickinson in ihren komplexen zwischenmenschlichen Auswirkungen greifbar. Wie war die Situation auf dem Land, in der Stadt? Wie lebte man zusammen und wie stabil oder fragil war dieses Zusammenleben? Welche Institutionen, Rituale und unausgesprochenen Regeln prägten es?

Nicht nur in der langen konfliktreichen und verwobenen Geschichte von Juden und Deutschen findet Dickinson Antworten, sondern auch in den psychologischen, ökonomischen und soziologischen Strukturen und Mechanismen, die das Schlimmstmögliche erst möglich machten. Dickinson gibt aus seinen Gesprächen mit fast zweihundert Menschen die Erzählungen der Gesprächspartner wieder, die Hermann Reis, seine Ehefrau Selma geb. Levy und die Tochter Marion gekannt haben, und er deutet sie: vor einem weiten Hintergrund von Quellen und Selbstzeugnissen und mit dem Verständnis des mitfühlenden Beobachters. Damit ist ihm ein bis heute gültiger Tiefenblick in die Geschichte gelungen, der in dem gesellschaftlichen Umbau, den er schildert, zeitgenössischer nicht sein könnte.


John K. Dickinson mit Sohn Timothy 1954 in Marburg

John K. Dickinson mit Sohn Timothy in Marburg, 1954, Foto: privat


Die erste Ausgabe von German and Jew konnte 1967 nur in verschlüsselter Form erscheinen, u.a. mit unkenntlich gemachten Orts- und Personennamen. Die deutsche Übersetzung beruht auf der Ausgabe von 2001 mit dem Vorwort von Raul Hilberg und setzt die dort tabellarisch enthaltenen Entschlüsselungen im Text um, ergänzt und kommentiert sie. Für seine Forschungen zu Hermann Reis hielt sich Dickinson 1953/54 mit seiner Familie in Marburg auf, wohin er Anfang der 1960er Jahre noch einmal zurückkehrte. Auf die Person von Hermann Reis wurde Dickinson aufmerksam, als er Anfang der 1950er Jahre im Auftrag des amerikanischen Journalisten Milton Mayer die Forschungsarbeiten für dessen Buch Sie hielten sich für frei übernommen hatte (erschienen im Büchner-Verlag 2025).

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Porträt John K. Dickinson

John K. Dickinson

Dr. John K. Dickinson, geb. 1918 in Highland Park, Michigan, gest. 15. Februar 2010 in Cambridge, Massachusetts. Vor dem Zweiten Weltkrieg nahm er ein Studium der Mathematik und Physik an der Brown University in Providence auf, das er nicht zum Abschluss brachte. Dickinson war ein überzeugter Pazifist. Für seine Ablehnung, den Militärdienst anzutreten, die nicht als Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen anerkannt wurde, verbüßte er eine 14-monatige Haftstrafe, gefolgt von einer Strafaussetzung zur Arbeit als Krankenpfleger. Im Jahr 1963 promovierte er bei dem Soziologen Heinz Maus mit einer Dissertationsschrift über den Freihandelstheoretiker William Graham Sumner, wodurch ihm eine akademische Laufbahn in den USA ermöglicht wurde, die ihn schließlich zur University of Massachusetts in Boston führte. Neben der englischen Ausgabe German and Jew (1967), von der das amerikanische Magazin Choice sagte, es sei »mit dem Können und Stil eines hervorragenden Romanciers geschrieben«, hat er vor allem Aufsätze veröffentlicht, u.a. in den Zeitschriften Journal of Educational Theory, Liberation, Psychiatry, Science and Society und Studies on the Left. Sein literarischer Nachlass befindet sich in der Handschriftensammlung der Marburger Universitätsbibliothek, so auch ein unveröffentlichtes Buchmanuskript zu Ernst Bloch.

Foto: privat

Porträtfoto des Autors Stephan Nolte

Stephan H. Nolte (Übersetzung)

Dr. Stephan H. Nolte, geb. 1955, hat Medizin und Kulturwissenschaften in Göttingen, Freiburg und Paris studiert und danach eine Weiterbildung zum Kinderarzt absolviert. Bis zu seinem Ruhestand 2022 war er zunächst an der Universitätskinderklinik Marburg und danach 30 Jahre lang als Kinderarzt in Marburg tätig. Während der Niederlassung bildete er sich u.a. psychotherapeutisch und journalistisch fort, sammelte Erfahrungen in Ruanda, Indien und Nepal und publizierte zu medizinischen, ethischen und kulturgeschichtlichen Themen. Aktuell konzentriert sich seine Forschung auf die Geschichte der Medizin mit Schwerpunkt auf Kinderheilkunde, Lokalgeschichte und den Nationalsozialismus insbesondere in Osteuropa sowie auf Fragen zur medizinischen Ethik.

Raul Hilberg (Vorwort)

Dr. Raul Hilberg (1926–2007) war ein amerikanischer Historiker und Holocaustforscher österreichisch-jüdischer Herkunft. Seine Dissertation »The Destruction of the European Jews« wurde ein Standardwerk zur Geschichte des Holocausts.

Dieses Buch gehört zur Reihe Neue Bücher im Herbst 2026

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